Wolfshybride sollen nicht abgeschossen werden
Entscheidung: Wolfsnachwuchs soll im Tierpark leben
Eine scheinbar endlose Diskussion findet jetzt ein glückliches Ende: Die sechs Hunde-Mischlinge sollen eingefangen werden, dies hat Umweltministerin Anja Siegesmund in einer Pressekonferenz heute bekannt gegeben. Die Welpen sollen in den Bärenpark Worbis kommen. Ebenfalls eingefangen werden soll die Mutter der Mischlingswelpen. Sie wird mit einer Art GPS-Sender ausgestattet, sodass sie jederzeit geortet werden kann.
In den vergangenen Wochen hagelte es heftig Kritik gegenüber der Idee, die Mischlinge zu erschießen. Das Einfangen ist jetzt die Kompromisslösung. Dafür werden Experten beauftragt, die die Wolfshybriden bis Anfang 2018 einfangen sollen. Sollte dies nicht bis zu Beginn des kommenden Jahres gelingen, erfolgt der Abschuss, um die Vermehrung der Jungtiere zu verhindern.
Häufige Fragen und Antworten

Was der Wolf wirklich frisst, dass zeigen wissenschaftliche Untersuchungen am Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz. Mehrere Tausend in Deutschland gesammelten Kotproben des Wolfes belegen: Wölfe ernähren sich zu über 94 Prozent von wildlebenden Schalenwildarten, wie Reh-, Rot- und Schwarz-, örtlich auch von Dam- und Muffelwild. Seltener von Hasen, Nutrias, Füchsen, Marderhunden, Kleinsäugern, Vögeln, Fischen und Früchten. Die geschätzte Schalenwildnutzung eines Wolfsrudels mit einem Rudelterritorium von zirka 250 Quadratkilometern in der Lausitz liegt nach derzeitigen Erkenntnissen bei etwa 2,2 Stück Schalenwild auf 100 Hektar und Jahr. Jäger in der Oberlausitz erlegen auf der gleichen Fläche etwa zehnmal soviel Rot- und Schwarzwild wie die Wölfe.
Die einzigen Menschen, die derzeit Angst haben müssen, sind die Nutztierhalter - speziell die Schäfer. Aber mit Herdenschutzhunden können sie ihre Tiere schützen. Und genau da berät Michael Witter die Thüringer Landesregierung. Er studiert seit 15 Jahren das Verhalten der Wölfe und hat eine Hundeschule in Suhl.
Wie hoch soll denn dieser Zaun sein, fragen die Schäfer. 2 Meter? Das wäre ja nicht das Problem, aber die Weideflächen wechseln nach wenigen Tagen - wie sollen Schäfer so einen mächtigen Zaun transportieren und aufbauen.
Diese "Hunde" machen Rabatz und verjagen den Wolf. Natürlich werden dann auch Spaziergänger angebellt. "Ruhig bleiben, weiter gehen und am besten ignorieren", so Witter. Das gilt auch für Hundehalter, so Hundeexperte Michael Witter. Er bildet an seiner Hundeschule in Suhl solche Hunde aus.
Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Wolfsübergriffen auf Weidetiere können mit bis zu 75 Prozent gefördert werden. Mit der Förderrichtlinie sind unter anderem Netzzäune mit Weidezaungeräten, ein Untergrabungsschutz bestehender Zäune, Breitbandlitzen an den Zäunen sowie die Anschaffung von Herdenschutzhunden förderfähig.
Tierhalter, die von einem Wolfsriss betroffen sind, können einen Antrag auf Entschädigung stellen. Seit 1. Januar 2017 erfasst die Förderrichtlinie auch die Regulierung von Schäden durch den Luchs.
Nein, er ist freilebend auf dem Truppenübungsplatz.
Nein. Seine Bewegung wird nicht mit einem Sender verfolgt
Das ist sehr sicher, denn wenn ein Wolf sein Revier eingenommen hat, dann bleibt er auch dort.
Ja, wir haben alle Schutzmaßnahmen getroffen. Auch bei den Entschädigungen, die wir zahlen, ist das Land Thüringen sehr gut aufgestellt, so Britta Krämer vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz
Bereits vor der Sichtung des ersten Wolfs im Jahr 2013 in der Nähe von Jena hatte Thüringen einen Managementplan Wolf erarbeitet. Im Juni 2015 wurde das erste Wolfsgebiet in Thüringen ausgewiesen. Es umfasst einen Radius von 30 Kilometern um das Zentrum des Standortübungsplatzes Ohrdruf. Tierhalter im Wolfsgebiet können für Präventionsmaßnahmen wie Schutzzäune, Untergrabungsschutz, Herdenschutzhunde etc. mit bis zu 75 Prozent gefördert werden. Die Rrichtlinie für die Förderung von Präventionsmaßnahmen und für die Schadensregulierung ist auf der Homepage des Umweltministeriums unter http://www.thueringen.de/th8/tmuen/naturschutz/wolf-luchs/index.aspx verfügbar.
Seit 2000 gibt es in Ostdeutschland erstmals wieder Wolfsbestände. Heute sind es nach aktuellen und bestätigten Angaben 24 Rudel bzw. Wolfspaare und 3 territoriale Einzelwölfe mit insgesamt 150-200 Individuen (Wolfsbüro Lausitz, Stand: Juli 2013). Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Sachsen und Brandenburg, darüber hinaus auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, ferner in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der erste amtlich bestätigte Wolfsnachweis (einzelner Wolf) aus Thüringen stammt vom 01.11.2013 südlich von Jena. Quelle http://www.felis-lupus.de/wolf.html
Dem Straßenverkehr fielen seit 2000 etwa 90 Tiere zum Opfer, davon mehr als 40 allein in Brandenburg.

Darüber haben wir schon berichtet
Die Wolfsexpertin Britta Krämer
Britta Krämer vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz hat sich mit Thüringen Reporter Adi Rückewold auf die Suche nach dem Ohrdrufer Wolf gemacht und dabei Ihre Fragen beantwortet.
Schäfer-Protest-Aktion bei Ohrdruf
Die Schäfer fühlen sich im Stich gelassen. Bei einer Protestaktion in der Nähe von Ohrdruf sprechen sie deutliche Worte. Als die etwa 50 Schäfer nur wenige Stunden später zu Hause sind, schlägt der Wolf erneut zu. 4 Schafe gerissen - 4 mit schlimmsten Bisswunden im Todeskampf.
Wolfsexperte Michael Witter
Michael Witter erforscht seit 15 Jahren Wölfe. Er ist der Chef einer Hundeschule in Suhl, doch neben den Hunden sind Wölfe seine zweite Leidenschaft. Er studiert das Verhalten von Wolf und Hund, um es zu vergleichen. Über den Wolfsbestand in Thüringen freut er sich natürlich und warnt vor Panikmache und selbsternannten Fachleuten.








